Begegnung - Sprachen der Natur - Briefe an die Heimat - Musizieren mit dem Pinsel - Bewegen aus der Stille - Klangräume - Leben trifft Leben - Weltintelligenz - Herzvernunft - Sprache als Lied und Bewegung im Raum - Entdecken der Anwesenheit
 

LiAdE: „Seid gegrüßt Wind und Erde.“ - Die Trinitätsgestalt LiAdE ist eine Kastura´sche Sprachknospe aus Lilith-Adama-Eva (Ave)


Lilith und Adam

Adam: Ich bin geboren mit der Lust von Herz zu Herz zu leben.
Ich habe dieses Herz gefunden, Leib zu Leib mit den Wesen.
Lilith: Dieses Herz hat nur einen Gesang, den des Exils.
Du bist allein in diesem Leben und im Jenseits.
Definitiv allein. Dies wissend, kannst du wählen, alles zu zerstören. Es ist egal.
Ich werde auf dir tanzen und auf deiner erbärmlichen Scheinheiligkeit (deinem erbärmlichen Schein).
Adam: Wer bist du, Lilith?
Ich möchte dorthin sehen, wo sie vielleicht nie gewesen sind, die Schönheit und die Widerstandsfähigkeit.
Dorthin, wo das Lächeln erscheint und das Leben erblüht.
Lilith: Du bist allein, weil du nichts mehr zu verlieren hast.
Geh. Geh in die unermessliche Wüste deiner inneren Landschaften.
Im Biwak werde ich, Herrin deiner Zuflucht, deinem Körper mehr tun, als er benötigt.
Ich werde es formen aus den Mustern des Windes. Ich werde auf deinen Überzeugungen, auf deinen Visionen tanzen. Und ich werde deine Kosmogonien, deine Gewissheiten und Wahrheiten glattbügeln.
Adam: Gib den Schatten, der mich begleitet, zurück in den Staub des Weges.
Wer bist du. Lilith? Lass die Formen fallen. Lass nichts mehr es selbst sein.
Lilith: Die Mutter der Welten hat dich geboren. Seitdem hat sie nicht mehr um dich gekümmert (sich nicht mehr nach dir umgesehen).
Sie kennt dein Gesicht nicht und ignoriert deinen Namen. Geh´, aber such´ sie nicht. Geh´, für dich selbst, aus reiner Freude an der Bewegung.
Adam
: In welche Richtung wende ich meinen Blick? Welche Schritte? Wer bist du, Lilith? Auf welchem Weg der Einsamkeit?
Lilith: Ich bin gelangweilt von der menschlich-männlichen Trägheit. Ich habe deine Taubheit satt. Müde von deinem Glauben an das Schlimmste, an das Beste.
Wisse, dass du nicht auserwählt wurdest. Es gibt keinen Plan / kein Projekt für dich. Und auch keine Bedingung für deine Anwesenheit hier.
Adam: Wer bist du Lilith? Du dunkler Wirbelwind, wo meine Frage bleibt. Mit diesem leuchtenden und hypnotisierenden Wirbel in seiner Mitte: Wer bin ich?
Lilith: Du bist ein essentielles Nichts.
Falls dir etwas Unvorhergesehenes passieren sollte, wird es geschehen, weil du es nicht erwartest. Es gibt nur einen Unfall: Nichts mehr wollen. Mach das, worauf du Lust hast. Oder auch nicht. Geh, komm und wisse, dass nichts mehr wichtig ist. Lass deinen Traum sich im Traum der Welt auflösen.
Adam: Und du, Lilith, sag mir, wer bist du?
Lilith: Ich bin der gigantische/unendliche/unermessliche Wind, der herumtobt und der, im Ganzen, alles überquert hat ohne es jemals bei sich zu halten, als Rausch der Weite. Ich bin der Bote der Leere, wo alles kommt und dann verschwindet. Das ist so. Alles, was du lebst, ist bloß, weil alles Leere ist.
Die Leere ist ein Opfer, das für die Zeit durchs Universum streift.
Vielleicht mit dir, zu meinem Gefallen,
Vielleicht ohne dich, für die Freude, es versucht zu haben.


Lilith: hebräische Form von Lilitu, abgeleitet aus sumerisch Lil, der Wind
Adam: hebräische Form von Adama, die Erde


Dieser Dialog war Inspirationsquelle von Philippe Dhaussy im Rahmen des Videoprojekts "Der Lebensgarten", 2022

Text aus: Michel Tauziède, "Les Dits de Silence à des fragments du chaos mêlés", 2021
Übersetzung: M. Schels, B. Kastura, P. Dhaussy – an dieser Stelle online mit freundlicher Genehmigung des Autors.


 
 
 
 
E-Mail